Holzbau boomt weltweit. Beeindruckende „Leuchtturmprojekte“ schießen überall aus dem Boden und wachsen dem Himmel entgegen.

Nachhaltiges Bauen ist ein Gebot der Stunde. Dabei wurde Holz als leistungsfähiger und vielseitiger Baustoff wiederentdeckt und spielt heute als nachwachsender Rohstoff natürlich eine wesentliche Rolle. Experten der Baubranche haben sowohl mit realisierten wie auch mit Projekten, die gerade umgesetzt werden, bewiesen, dass Holz auch ideal für die Errichtung großer Objekte ist. Wir stellen Ihnen heute einige dieser „Leuchtturmprojekte“ vor. „Projekte, die Mut machen sollen und zeigen, was im Holzbau möglich ist. Österreichisches Know-how inklusive“, betont Georg Hubmann, Innungsmeister der Holzbau-Meister in Kärnten.

 

11 Stockwerke in Holz, weil man in Frankreich auf Nachhaltigkeit baut!

In den Zentralen der großen französischen Baufirmen und Bauträger weiß man sowohl um die Endlichkeit der mineralischen Baustoffe wie auch um den hohen Energieaufwand für deren Herstellung. Daher wird Holz nun auch bei großen Bauvorhaben verwendet: Wie in Strassbourg, wo man kreuzweise verleimtes Brettsperrholz aus Österreich einsetzt und auch unser heimisches Fachwissen nutzt. Die großen Baukörper waren in wenigen Wochen als Rohbau errichtet. In Zukunft will man die Vorfertigung der einzelnen Wand-, Decken- und Dachelemente noch weiterentwickeln und weiter von den Österreichern lernen.

Hamburg hat ein Studentenheim der Superlative.

Eine derartige Vorfertigung kann auch in Raumzellen erfolgen. Dabei ist zu beachten, dass nicht nur „Luft“, sondern Wertschöpfung transportiert wird. So wird in der Produktionshalle ein komplettes Zimmer bei idealen Bedingungen fix und fertig errichtet und auch schon komplett ausgestattet. Nur die Bettwäsche fehlt noch. Für ein Hamburger Studentenheim wurden die Raumzellen in Österreich gefertigt und mittels ausgeklügelter Logistik per LKW nach Hamburg gebracht, wo sie aufeinandergestapelt wurden. Haustechnik, Versorgungsleitungen und Abwassersysteme wurden dabei schon in einem „virtuellen Modell“geplant. Selbst die Fassade war schon so vorbereitet, dass dann an der Baustelle alles – wie im Modell geplant – exakt zusammenpasste. Die „teuren“ Baustellenarbeiten konnte auf diese Art auf ein Minimum reduziert werden. Und das Resultat kann sich in architektonischer, technischer und vor allem auch in wirtschaftlicher Hinsicht absolut sehen lassen.

Bergen ragt mit einem 14-geschossigen Holzwohnbau heraus.

Norwegische Architekten entwickelten nahe dem Hafen in Bergen ein Holzgebäude, das eine neue, bisher nicht praktizierte, Mischung von Holz-Bausystemen beinhaltet. Ein Fachwerk aus Brettschichtholz sorgt für die Grundstruktur. In diese wurden drei Geschosse in vorgefertigten Raumzellen eingeschoben. Die Raumzellen sind untereinander entkoppelt und sorgen für einen optimalen Schallschutz. Nach den drei Geschossen wurde eine extra Decke zur Aussteifung des Fachwerks eingezogen. Darauf wurden die nächsten drei Geschosse mit Raumzellen errichtet. „Nur“ 18 Geschosse – trotzdem ein Weltrekordhalter aus Norwegen.

Diese Erfahrungen aus Bergen hat man beim Bau des Hotelturms in Brumunddal, nahe Lillehammer, genutzt und ebenfalls ein Fachwerk für die Grundstruktur verwendet. Allerdings sind hier wegen der kurzen Wege von der Produktionsstätte des ausführenden Unternehmens zur Baustelle keine Raumzellen, sondern Wand-, Decken- und Dachelemente verbaut. Die unbehandelte Douglasien-Fassade wiederum wurde in extra Elementen vorbereitet und nach Fertigstellung des Rohbaus eingehängt. Erhöhte Anforderungen an den Schallschutz und die umfangreiche Gebäudeausstattung machten es erforderlich, die Deckenkonstruktionen allesamt zu entkoppeln. So ergaben sich sehr große Deckenkonstruktionen die dazu führten, dass das Gebäude mit „nur“ 18 Geschossen zum derzeitigen „Höhenweltrekordhalter“ mit 85,5 Meter wurde.

Das beeindruckende „HoHo“ in Wien.

Unter Experten wird allerdings das Wiener Holz Hochhaus als höchstes Holzwohngebäude geführt, weil es im Gegensatz zum Haus in Brumunddal 24 Geschosse aufweist und mit 84 Metern Bauhöhe als gleich hoch bezeichnet werden kann. Die Architekten und Ingenieure haben hier wiederum eine andere Möglichkeit gefunden, die Deckenstärken bei gleichbleibender Qualität in puncto Brand- und Schallschutz wie auch hinsichtlich der Gebäudeaussteifung zu optimieren. Im Gegensatz zu den norwegischen Bauten wurden die Stiegenhäuser und Liftschächte auf Wunsch der Behörden in Beton errichtet. Die Lastableitung im Holzbauteil erfolgt über die Längsfaser der Hölzer und im Deckenbereich wurde zur Aufnahme der Drucklasten und auch als Brandabschottung ein betonierter Fertigteil eingezogen, auf dem die Holz-Beton-Verbunddecken lagern. Die Wandelemente werden im kärntnerischen Mölltal, die Holzbetonverbunddecken in Oberösterreich gefertigt. Als Generalunternehmer fungiert ein niederösterreichisches Unternehmen. Entwickelt wurde das Projekt von Architekt Rüdiger Lainer mit Unterstützung der Holzbauingenieure rund um Dipl. Ing. Richard Woschitz.

350 Meter hoher Holzwohnturm in Japan geplant.

Auch einer der größten Bauunternehmer Japans hat die Vorzüge von Holzkonstruktionen für die Zukunft erkannt. Allein schon die „Zähigkeit“ und Elastizität von Holz macht den Bau erdbebensicherer Gebäude wirtschaftlicher. Zudem werden Holzbauten hochpräzise, schnell, ohne großen Platzbedarf an der Baustelle, ohne Lärm- und Staubentwicklung errichtet. Letztlich sind auch der Wohnkomfort und das Wohngefühl in einem Holzbau unvergleichlich, was heute und in Zukunft ein ganz starkes Verkaufsargument darstellt.

Hoch hinaus in Holz: In London steht ein 300 Meter Holz-Wolkenkratzer zur Diskussion.

Gerade in Städten sind Bauplätze rar. Logisch, dass man dann besser in die Höhe baut. Windbelastungen sowie die Simulation von Brandfällen und Erdbeben sind bei der Errichtung von Hochhäusern besonders wichtig. Aus diesen Gründen haben es sich Experten britischer Universitäten zum Ziel gesetzt, Möglichkeiten zu finden, die einerseits die Sicherheit und andererseits die Ressourcenschonung beim Bau von Wolkenkratzern berücksichtigen. Holz war in diesem Fall der ideale Baustoff. Es wurde in einer Machbarkeitsstudie bewiesen, dass es möglich ist, auch sehr schlanke 300 Meter hohe Gebäude unter Berücksichtigung aller geforderten Sicherheitsauflagen zu errichten. Einzig die Baugesetzgebung hinkt hier noch etwas hinterher.

In Österreich ist sowohl das technische als auch das materielle Potenzial in ausreichendem Maß vorhanden. In unseren Wäldern wächst mehr Holz nach als wir nutzen. Und theoretisch könnten wir alle Wohnbauten in Holz errichten ohne dabei den Wald zu dezimieren. Damit könnten wir jährlich soviel CO2 speichern wie der gesamte Autoverkehr ausstößt. Holz ist also in der Tat ein wunderbarer, nachwachsender Baustoff aus der Natur!

Ing. Fritz Klaura, Landesinnungsmeister-Stellvertreter, ist überzeugt, dass die Strahlkraft solcher Projekte auch die unmittelbare Heimat erreichen wird. Denn bestes Know-how macht lizenzierte Holzbau-Meister zu Experten für den fachgerechten und optimalen Einsatz des Baustoffes Holz. Sie stehen mit Fachkompetenz beratend zur Seite – von der Planung bis zur Fertigstellung – „alles aus einer Hand“!

Bilder:

|1| Norwegen setzt auf Holz beim Bau von Hochhäusern. 85,5m Höhe misst der derzeitige „Weltrekordhalter“ der Holzhochhäuser // 20180907_0439_Brumunddal_Holzhochhaus_KLF.jpg

|2| Frankreich setzt auf den nachwachsenden Baustoff Holz. Know-how und Rohbau kommen aus Österreich
// 20180807_0171_Ilot Bois_Strassbourg_KLF.jpg

|3| Das „HoHo“, ein beeindruckendes Highlight der neuen Wiener Seestadt Aspern

// Rendering HoHo Wien und HoHo Next cetus Baudevelopment GmbH und R++diger Lainer u Partner Architekten ZT GmbH_Feb 2016.jpg

 

 

Zum Seitenanfang